Der KI-Boom hat in den vergangenen Jahren vor allem einen Namen in den Mittelpunkt gerückt: Nvidia. Doch während Anleger auf die Chip-Giganten blicken, sehen Analysten von Bernstein inzwischen ein neues Gewinnerfeld entstehen. Im Fokus stehen nicht die Hersteller der Chips selbst, sondern die Unternehmen, die die Maschinen für deren Produktion liefern.
Laut Bernstein könnten insbesondere Halbleiterausrüster aus Europa und Japan in den kommenden Quartalen überdurchschnittlich von den Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz profitieren.
Die unsichtbaren Gewinner des KI-Zeitalters
Jeder moderne KI-Chip durchläuft einen hochkomplexen Fertigungsprozess. Dafür benötigen Auftragsfertiger wie TSMC, Samsung oder Intel spezialisierte Anlagen zur Lithografie, Beschichtung, Inspektion und Waferbearbeitung.
Genau hier kommen die Ausrüster ins Spiel.
Mit dem weltweiten Wettlauf um leistungsfähigere KI-Chips steigen die Investitionen der Chipproduzenten auf Rekordniveaus. Allein die großen Halbleiterhersteller planen für die kommenden Jahre Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe.
Für die Zulieferer bedeutet das volle Auftragsbücher.
Europas Schwergewicht: ASML
Besonders positiv blickt Bernstein auf den niederländischen Lithografie-Spezialisten ASML.
Das Unternehmen besitzt faktisch ein Monopol bei den sogenannten EUV-Lithografiesystemen. Ohne diese Maschinen können moderne KI-Prozessoren praktisch nicht produziert werden.
Jede einzelne Anlage kostet teilweise mehr als 300 Millionen Euro und ist für die neuesten Fertigungsgenerationen unverzichtbar.
Mit der steigenden Nachfrage nach Hochleistungschips wächst daher auch die strategische Bedeutung von ASML.
Weitere europäische Profiteure
Neben ASML sehen Experten auch Chancen bei weiteren europäischen Ausrüstern.
ASM International
Der niederländische Konzern zählt zu den Technologieführern bei der sogenannten Atomic Layer Deposition (ALD), einem entscheidenden Verfahren für moderne Chipstrukturen.
Je kleiner und leistungsfähiger Chips werden, desto wichtiger werden die Technologien von ASM International.
BE Semiconductor Industries (Besi)
Besi profitiert vom Trend zu immer komplexeren Chip-Verpackungstechnologien.
Gerade KI-Chips benötigen moderne Packaging-Lösungen, um maximale Rechenleistung und Energieeffizienz zu erreichen.
VAT Group
Der Schweizer Spezialist liefert Hochleistungsvakuumventile für Halbleiterfabriken weltweit.
Da nahezu jeder moderne Fertigungsschritt unter Vakuumbedingungen erfolgt, gilt VAT als wichtiger Profiteur des weltweiten Kapazitätsausbaus.
Japanische Spezialisten im Fokus
Auch in Japan sieht Bernstein attraktive Chancen.
Tokyo Electron
Tokyo Electron zählt zu den größten Halbleiterausrüstern der Welt und profitiert direkt von Investitionen führender Chipproduzenten.
Advantest
Das Unternehmen ist Marktführer bei Testsystemen für Hochleistungsprozessoren.
Je komplexer KI-Chips werden, desto wichtiger wird deren Prüfung vor dem Einsatz in Rechenzentren.
DISCO Corporation
DISCO ist auf hochpräzise Waferbearbeitung spezialisiert und gilt als technologischer Nischenführer.
Die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Halbleitern könnte die Auftragslage weiter verbessern.
Warum Anleger jetzt genauer hinschauen sollten
Während viele KI-Aktien inzwischen ambitionierte Bewertungen erreicht haben, sehen einige Analysten bei den Ausrüstern noch Aufholpotenzial.
Der entscheidende Unterschied:
Egal welcher Chip-Hersteller künftig den Markt dominiert – alle benötigen Maschinen und Produktionsanlagen.
Damit profitieren Ausrüster von einem breiteren Markt als einzelne Chipdesigner.
Zudem gelten viele der Unternehmen als technologische Monopolisten oder verfügen über hohe Markteintrittsbarrieren, was ihre Wettbewerbsposition langfristig stärkt.
Fazit
Der KI-Boom könnte in seine nächste Phase eintreten. Statt ausschließlich auf Chipentwickler wie Nvidia oder AMD zu setzen, rücken nun die Unternehmen in den Fokus, die die Infrastruktur hinter der Halbleiterproduktion bereitstellen.
Bernstein sieht insbesondere ASML, ASM International, Besi, VAT Group, Tokyo Electron, Advantest und DISCO als potenzielle Profiteure der nächsten Investitionswelle.
Für Anleger könnte sich daher ein genauer Blick auf Europas und Japans Halbleiterausrüster lohnen – denn ohne ihre Technologie gäbe es keinen KI-Boom.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar.

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